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Entwicklung eines Elektromofas in der Schweiz

 

 

Solo Electra, die Initialzündung

  

In den siebziger Jahren erschienen in der Schweiz die in Deutschland bereits in Serie hergestellten Elektromofas Solo Electra. Zahlreiche Zeitungsartikel aus dieser Zeit lassen erkennen, dass meist Ingenieurstudenten versuchten das Solo Electra weiter zu entwickeln.

 

Auch der im neuenburgischen Colombier wohnhafte Pierre Eberli widmete sich dieser Aufgabe. Er wollte wartungsfreie Batterien einsetzen die gerade eben aus Amerika erhältlich wurden.

 

Diese Entwicklungsarbeiten erregten das Interesse des Büros „Technology for the People“ in Genf dessen Ziel es war die Schweizerindustrie mit asiatischen Entwicklungsländern in Verbindung zu bringen. David Dichter, Leiter dieser Organisation, ermunterte Eberli dazu die Entwicklungsarbeiten weiter zu führen und für Finanzhilfe an das Bundesamt für Energie zu gelangen.

 

 

Scoot92, Vorläufer des Elektromofas Mobilecs

 

Es musste ein spezielles Fahrzeug zur Erprobung verschiedener Batteriesysteme, Fahrgeschwindigkeitsregulierungen und Motorisierungen konstruiert werden. Deshalb entwarf Eberli das „Kassetten-Mofa Scoot92“ mit grossem abnehmbarem Batteriebehälter und freiem Raum für die Reguliereinheit, den Motor und das Ladegerät.

 

Der Scoot92 konnte im Jahr 1992 bei der bekannten Firma Condor in Courfaivre verwirklicht werden.

 

Die Strassenzulassung erforderte eine offizielle mechanische und elektrische Prüfung.

 

Das Erproben verschiedener Elemente auf dem Scoot92 zog sich über eine lange Zeitspanne hinweg, da dies erhebliche finanzielle Mittel erforderte. Erst im Jahr 2000 waren die mit dem Scoot92 erreichten Resultate soweit fortgeschritten, dass eine erste Kleinserie von Elektromopeds zum Ausprobieren durch Privatpersonen und Elektrizitäts- und Stadtwerke riskiert werden konnte.

 

Um der notwendigen Geldmittelbeschaffung für den Bau von 15 Mopeds nachzuhelfen, wurde die Minifirma „Sytrel, Eberli et Associés“ mit David Dichter als einzigem Partner gegründet. Einige Sponsoren und das Bundesamt für Energie erlaubten dieses Ziel in Angriff zu nehmen. Keine Bank war für einen Entwicklungskredit zu gewinnen!

 

Ein günstiger Verkaufspreis erforderte ein einfach konstruiertes Fahrzeug: Rahmen aus Stahl statt Aluminium, elektromechanische Steuerung statt Elektronik und Blei- statt Hightech- Batterie.

 

Erstmals musste der visuelle Aspekt gepflegt werden. Deshalb stellte Eberli verschiedene Holzmodelle im Massstab 1 : 1 her.

 

Condor in Courfaivre stand für die Herstellung der 15 Mopeds nicht mehr zur Verfügung, da deren Zweiradfabrikation inzwischen aufgegeben wurde. Anfragen an andere Firmen in der Schweiz fielen negativ aus, niemand mehr beschäftigte sich mit dem Bau von Motorrädern.

 

David Dichter schlug deshalb vor, Fabrikationsmöglichkeiten in Indien, Malaisie und China zu suchen. Eberli verbrachte schliesslich bei einer in Lang Xia Town ansässigen Zweigfabrik des grössten Motorradherstellers Chinas, der Firma Qingqi, eine Studienwoche.

 

Als es darum ging herauszufinden ob die Leitung dieses Zweigwerks gewillt war, 15 Elektromofas nach Schweizerzeichnungen herzustellen, gab es nur grosses Staunen: „Meinen sie 15 oder 150'000 Fahrzeuge?“

 

Yan, der englisch sprechende Ingenieur, mit welchem Eberli während der Studienwoche oft diskutiert hatte, war vom Elektromofaprojekt derart überzeugt, dass er bei Qingqi kündigte und sich nun voll dem Mobilec- Projekt widmete.

 

Der Bau der 15 Elektromofas musste selbst in die Hände genommen werden. Yan mietete einen kostengünstigen Raum in China und kaufte einen Occasionslieferwagen.

 

Mit diesem besuchten Yan und Eberli im Jahre 2002 zahlreiche Komponentenhersteller. Die Bauteile wurden in einem ländlichen Dorf in der Nähe von Jinan eingelagert und schliesslich dort montiert.

 

Die 15 Mobilecs I wurden anschliessend in die Schweiz spediert und in Colombier mit den lokal hergestellten Teilen und den wartungsfreien Batterien ergänzt. Sie wurden an Privatpersonen, Stadt- und Elektrizitätswerke verteilt um so praktische Erfahrungen auf verschiedenen Anwendungsgebieten zu sammeln.

 

 

Mobilec II, die erste kommerzielle Serie

 

 

Im Jahre 2006 wurde auf Grund der gesammelten Erfahrungen erstmals die Fabrikation kommerzieller Mobilecs II erwogen. Um genügend Sponsoren- und Investorengeld für das vorgängige Bezahlen der Unterlieferanten zu erhalten, wurde die Firma „Sytrel, Eberli & Associés“ im Jahr 2007 in eine GmbH umgewandelt.

 

Da es sich jetzt um ein grösseres Geschäft zwischen der Schweiz und China handelte, musste gemäss dem chinesischen Gesetz ein Joint Venture mit Bankkonto bei der Bank of China gegründet werden. Nur so konnten die Bestellungen für die aus China benötigten Teile, speziell die Plastikkomponenten, abgewickelt werden.

 

Mobilec II wurde in Anlehnung an Mobilec I neu konzipiert und auf über 300 technischen Zeichnungen festgehalten.

 

Die Montage erfolgte in den geschützten Werkstätten der Genossenschaft VEBO in Zuchwil bei Solothurn was teilinvalide Personen eine motivierende Tätigkeit bot.

 

Den Verkauf für diese Kleinserie mussten wir selbst in Schwung bringen. Es wurde eine Pressekonferenz direkt in Zuchwil in der VEBO- Montagehalle organisiert. Der Erfolg war überraschend. Das Mobilec wurde sozusagen über Nacht bekannt.

 

 

Vom Mobilec II zum Mobilec III

 

Der erfolgreiche Verkauf von Mobilec II in den Jahren 2008 und 2009 führte dazu, eine weitere Mobilec - Serie aufzulegen um so den Verkauf über den Zwischenhandel abzuwickeln zu können.

 

Der Erlös aus dem Verkauf von Mobilec II und weitere Spenden erlaubten das Vorzahlen von Bestandteilen für 340 Mobilecs III.

 

Diesmal interessierte sich Herr Philippe Tharin, Direktor der Anstalten von Bellechasse bei Sugiez, für die Mobilec- Montage nachdem er Mobilec am Fernsehen entdeckt hatte.

 

In Bellechasse konnte genügend Platz für die Lagerung der eintreffenden Mobilec III - Bestandteile zur Verfügung gestellt und, was noch wichtiger war, Herr Marc-André Pauchard, diplomierter Motorradmechaniker, als Leiter der Montage gewonnen werden.

 

Auch hier wurde eine Pressekonferenz einberufen. Die Montage in einem Gefängnis des in der Schweiz entworfenen Mofas interessierte viele Zeitungen wie auch Fernsehteams.

 

Inzwischen sind die Mobilecs III auf zwei Arbeitsbühnen in Bellechasse montiert und auf einem speziell gebauten Rollenteststand kontrolliert worden. Darauf wurden sie einem praktischen Fahrtest auf den Mont Vuilly nahe bei Bellechasse unterworfen. Nun sind die Mofas Mobilec III im Verkauf.

 

Wir hoffen, dass die Mobilecs III von zahlreichen neuen Kunden entdeckt und gefahren werden um so zu einer ruhigeren und CO2-ärmeren Schweiz beizutragen. Der Erlös aus dem Verkauf dieser Mobilecs kann dann wieder für die zukünftigen Mobilecs IV eingesetzt werden.